Abnehmtabletten: Arzneimittel mit und ohne Rezept im Überblick

Unter dem Begriff Abnehmtabletten werden rechtlich sehr verschiedene Produkte verkauft: zugelassene Arzneimittel mit und ohne Rezeptpflicht und Nahrungsergänzungsmittel, die als Lebensmittel gelten. Diese Übersicht ordnet die Arzneimittel nach Wirkstoff: Orlistat 60 mg gibt es ohne Rezept in der Apotheke, Orlistat 120 mg, Semaglutid-Tabletten und die Kombination aus Naltrexon und Bupropion nur auf ärztliche Verschreibung.

Die Wirkstoffe im Vergleich

Die Tabelle fasst für die Wirkstoffe dieser Seite zusammen, ob ein Rezept nötig ist, wofür sie zugelassen sind und nach welcher Regel der Behandlungserfolg überprüft wird. Alle Angaben stammen aus Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und aus den Fachinformationen der Europäischen Arzneimittel-Agentur; Einzelheiten stehen in den folgenden Abschnitten.

Wirkstoff und StärkeRezept in DeutschlandZugelassen fürÜberprüfung laut Fachinformation
Orlistat 60 mg, Hartkapselnnein, aber nur in der ApothekeErwachsene mit BMI ab 28, zusammen mit fettreduzierter, leicht kalorienreduzierter Kostnach 12 Wochen ohne Gewichtsabnahme Arzt oder Apotheker fragen; höchstens 6 Monate
Orlistat 120 mg, HartkapselnjaBMI ab 30 oder ab 28 mit begleitenden Risikofaktoren, zusammen mit leicht kalorienreduzierter KostAbbruch nach 12 Wochen, wenn weniger als 5 % des Ausgangsgewichts abgenommen wurden
Semaglutid 1,5 bis 25 mg, TablettenjaErwachsene mit BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingter BegleiterkrankungDosissteigerung in Stufen von mindestens 4 Wochen; keine feste Abbruchschwelle genannt
Naltrexon 8 mg und Bupropion 90 mg, RetardtablettenjaErwachsene mit BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbezogener BegleiterkrankungAbbruch nach 16 Wochen, wenn weniger als 5 % abgenommen wurden; danach jährliche Neubewertung
Semaglutid-Tabletten zur Diabetesbehandlungjanur unzureichend kontrollierter Typ-2-Diabeteskeine Zulassung zur Gewichtsregulierung

Orlistat: ohne Rezept in 60 mg, mit Rezept in 120 mg

Orlistat hemmt im Magen und im oberen Dünndarm die Lipasen, also die Enzyme, die Nahrungsfett aufspalten. Ein Teil des Fetts wird dadurch nicht aufgenommen und mit dem Stuhl ausgeschieden; die Gebrauchsinformationen nennen für 120 mg etwa ein Drittel, für 60 mg etwa ein Viertel des Fetts aus den Mahlzeiten. Eingenommen wird je eine Kapsel zu den drei Hauptmahlzeiten, unmittelbar vor, während oder bis zu einer Stunde nach dem Essen. Enthält eine Mahlzeit kein Fett oder fällt sie aus, entfällt die Kapsel.

Die Rezeptpflicht hängt an der Stärke. Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung nimmt Orlistat zum Einnehmen mit höchstens 60 mg je Kapsel und höchstens 180 mg am Tag von der Verschreibungspflicht aus. Die 60-mg-Kapseln, in der EU unter dem Namen alli zugelassen, bekommen Sie deshalb ohne Rezept, aber nur in der Apotheke; eine ärztliche Bewertung über unseren Fragebogen brauchen Sie dafür nicht. Die 120-mg-Kapseln, deren Originalpräparat Xenical heißt, sind verschreibungspflichtig.

Das nicht aufgenommene Fett erklärt die typischen Nebenwirkungen: ölige Flecken, Stuhldrang, fettiger Stuhl und Blähungen mit Stuhlabgang, besonders nach fettreichen Mahlzeiten. Weil auch die Vitamine A, D, E und K schlechter aufgenommen werden können, empfiehlt die Fachinformation für 60 mg ein Multivitaminpräparat vor dem Schlafengehen. Bei schwerem Durchfall kann die Pille unzuverlässig werden. Gegenanzeigen und Wechselwirkungen stehen auf der Seite zu Orlistat.

Semaglutid als Tablette zur Gewichtsregulierung

Semaglutid ist ein GLP-1-Analogon, das als wöchentliche Spritze bekannt ist. Die Produktinformation von Wegovy umfasst inzwischen neben der Spritze auch Tabletten mit 1,5, 4, 9 und 25 mg. Die Tablette ist wie die Spritze verschreibungspflichtig und für Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung zugelassen, als Ergänzung zu kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung.

Für die Einnahme gelten feste Regeln: einmal täglich auf nüchternen Magen nach mindestens 8 Stunden ohne Essen, unzerkaut mit bis zu einem halben Glas Wasser, danach mindestens 30 Minuten warten, bevor Sie essen, trinken oder ein anderes Arzneimittel zum Einnehmen anwenden. Begonnen wird mit 1,5 mg; nach jeweils mindestens vier Wochen folgen 4, 9 und 25 mg. Mehr als eine Tablette am Tag soll nicht eingenommen werden.

Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Erbrechen, vor allem während der Dosissteigerung. Die Fachinformation nennt außerdem Gallensteine und die akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse, bei deren Verdacht Semaglutid abgesetzt wird. Bei plötzlichem Verlust des Sehvermögens ist eine augenärztliche Untersuchung nötig. In der Schwangerschaft darf Semaglutid nicht angewendet werden; bei Kinderwunsch wird es mindestens zwei Monate vorher abgesetzt.

Ob die Tabletten in Deutschland schon im Handel sind, lässt sich aus der Zulassung allein nicht ablesen; Auskunft gibt die Apotheke. Mehr zur wöchentlichen Spritze steht auf der Seite zu Wegovy.

Semaglutid-Tabletten bei Typ-2-Diabetes sind kein Abnehmmittel

Für die Diabetesbehandlung ist Semaglutid außerdem als Tablette unter dem Namen Rybelsus zugelassen, und zwar ausschließlich für Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes, zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung als Ergänzung zu Diät und körperlicher Aktivität. Eine Zulassung zur Gewichtsregulierung hat es nicht.

Wer ohne Diabetes abnehmen möchte, findet in diesem Präparat deshalb keine zugelassene Behandlung. Wer Diabetes hat und bereits Semaglutid-Tabletten einnimmt, bespricht Fragen zur Dosis und zu Kontrollen mit der Praxis, die den Diabetes betreut.

Naltrexon und Bupropion: zentral wirkend, mit vielen Gegenanzeigen

Die Kombination aus Naltrexon und Bupropion ist in der EU unter dem Namen Mysimba als Retardtablette mit 8 mg Naltrexonhydrochlorid und 90 mg Bupropionhydrochlorid zugelassen. Laut Fachinformation wirken beide Bestandteile auf Bereiche des Gehirns, die Appetit und Belohnung steuern; der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt. Die Dosis wird über vier Wochen auf zwei Tabletten morgens und zwei Tabletten abends gesteigert; Blutdruck und Puls sollen vor Beginn und danach in regelmäßigen Abständen gemessen werden. Wir stellen diese Kombination hier nur zur Information dar.

Nach einer Überprüfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur, die mit der Entscheidung der Europäischen Kommission vom 22. Mai 2025 abgeschlossen wurde, gelten präzisierte und verstärkte Regeln: Nach einem Jahr wird die Behandlung beendet, wenn ein Verlust von mindestens 5 % des ursprünglichen Körpergewichts nicht erreicht ist oder nicht gehalten wird, und bei der jährlichen Neubewertung wird auch geprüft, ob sich das Herz-Kreislauf-Risiko verändert hat.

Die Fachinformation schließt die Anwendung unter anderem in diesen Fällen aus:

  • Krampfanfälle, aktuell oder in der Vorgeschichte, und bekannte Tumoren des zentralen Nervensystems
  • unkontrollierter Bluthochdruck
  • bipolare Störung in der Vorgeschichte sowie Bulimie oder Anorexie, aktuell oder früher
  • aktuelle Abhängigkeit von Opioiden, auch von opioidhaltigen Arzneimitteln, eine mit Opioidagonisten wie Methadon oder Buprenorphin behandelte Opioidabhängigkeit und akuter Opioidentzug
  • akuter Alkohol- oder Benzodiazepinentzug
  • gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder von anderen Arzneimitteln mit Bupropion oder Naltrexon
  • schwere Leberfunktionsstörung und terminale Niereninsuffizienz

Warnhinweis zu Stimmung und Suizidgedanken

Bupropion ist in einigen Ländern zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Die Fachinformation weist darauf hin, dass Antidepressiva in einer Auswertung von Studien bei Erwachsenen unter 25 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für suizidales Verhalten verbunden waren und dass nach der Markteinführung von Naltrexon mit Bupropion suizidale Ereignisse, auch Suizidgedanken, bei Patienten jeden Alters berichtet wurden. Besonders zu Beginn der Behandlung und nach jeder Dosisänderung ist deshalb auf jede Verschlechterung des Befindens, auf Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, soll unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wenn Sie an Suizid denken, erreichen Sie die TelefonSeelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, im Notfall den Notruf 112. Die 16-Wochen-Regel und weitere Hinweise beschreibt die Seite zu Naltrexon und Bupropion.

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel

Viele Produkte, die als Abnehmtabletten, Fatburner oder Kapseln zum Abnehmen angeboten werden, sind Nahrungsergänzungsmittel. Nach § 1 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung sind das Lebensmittel, die dazu bestimmt sind, die allgemeine Ernährung zu ergänzen, und § 2 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes nimmt Lebensmittel ausdrücklich vom Begriff des Arzneimittels aus.

Der Unterschied liegt im Weg auf den Markt. Fertigarzneimittel dürfen nach § 21 des Arzneimittelgesetzes nur mit einer Zulassung in Deutschland oder in der EU in den Verkehr gebracht werden. Ein Nahrungsergänzungsmittel muss dagegen lediglich spätestens beim ersten Inverkehrbringen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden (§ 5 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung). Ein zugelassenes Anwendungsgebiet und Regeln zur Überprüfung des Behandlungserfolgs, wie sie die Tabelle oben für Arzneimittel zeigt, gibt es für diese Produkte nicht; vorgeschrieben ist auf der Packung unter anderem eine empfohlene tägliche Verzehrsmenge (§ 4 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung). Einzelne Produkte nennen und bewerten wir nicht.

Was kostet das?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt keines dieser Arzneimittel zur Gewichtsregulierung. § 34 Abs. 1 SGB V schließt nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel für Erwachsene grundsätzlich aus und nennt darüber hinaus Arzneimittel, die überwiegend zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits oder zur Regulierung des Körpergewichts dienen. Orlistat 60 mg ist rezeptfrei und fällt schon deshalb heraus; Orlistat 120 mg, Semaglutid-Tabletten und Naltrexon mit Bupropion zur Gewichtsregulierung bezahlen Sie in der Apotheke ebenfalls selbst. Den Preis nennt die Apotheke.

Für die ärztliche Bewertung über den medizinischen Fragebogen fällt eine eigene Gebühr an. Ihre Höhe und die vollständigen Erstattungsregeln nennt die Seite zur Adipositas-Behandlung.

Wann eine Praxis vor Ort nötig ist

Ob ein Präparat infrage kommt, hängt von Body-Mass-Index, Begleiterkrankungen, Gegenanzeigen und der übrigen Medikation ab. Der medizinische Fragebogen ersetzt keine Untersuchung. Ihre Angaben bewertet der Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301); er kann Unterlagen nachfordern, eine Verschreibung ablehnen oder Sie an eine Praxis vor Ort verweisen.

Steht eine Erkrankung auf der Liste der Gegenanzeigen, etwa Cholestase oder ein chronisches Malabsorptionssyndrom bei Orlistat oder Krampfanfälle und Essstörungen bei Naltrexon mit Bupropion, kommt das jeweilige Präparat laut Fachinformation nicht infrage. Neue oder ungeklärte Beschwerden gehören in die Hausarztpraxis; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall den Notruf 112.

Welche Abnehmtabletten gibt es ohne Rezept?

Als Arzneimittel ohne Rezept ist Orlistat in der Stärke 60 mg erhältlich, allerdings nur in der Apotheke. Die Fachinformation begrenzt die Behandlung auf höchstens 6 Monate und rät, nach 12 Wochen ohne Gewichtsabnahme einen Arzt oder Apotheker zu fragen. Abnehmprodukte, die als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, sind keine Arzneimittel.

Welche Abnehmtabletten sind verschreibungspflichtig?

Orlistat in der Stärke 120 mg, Semaglutid-Tabletten und die Kombination aus Naltrexon und Bupropion. Vor einer Verschreibung werden Body-Mass-Index, Begleiterkrankungen, Gegenanzeigen und die übrigen Arzneimittel geprüft; ein Anspruch auf eine Verschreibung besteht nicht.

Gibt es die Abnehmspritze auch als Tablette?

Der Wirkstoff Semaglutid ist zur Gewichtsregulierung auch als Tablette zugelassen, die einmal täglich nüchtern eingenommen und in Stufen bis 25 mg gesteigert wird. Sie ist verschreibungspflichtig. Ob sie in Ihrer Apotheke vorrätig ist, erfahren Sie dort.

Was ist der Unterschied zwischen Orlistat 60 mg und 120 mg?

Beide Stärken enthalten denselben Wirkstoff. Die 60-mg-Kapseln sind rezeptfrei für Erwachsene mit einem BMI ab 28, die 120-mg-Kapseln verschreibungspflichtig für einen BMI ab 30 oder ab 28 mit Risikofaktoren. Auch die Gegenanzeigen unterscheiden sich: Die 60-mg-Kapseln dürfen unter anderem in der Schwangerschaft sowie zusammen mit Ciclosporin, Warfarin oder anderen blutverdünnenden Mitteln zum Einnehmen nicht angewendet werden.

Sind Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen wirksam?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil Nahrungsergänzungsmittel keine Zulassung als Arzneimittel durchlaufen. Sie sind Lebensmittel und müssen spätestens beim ersten Inverkehrbringen lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden. Zugelassene Anwendungsgebiete und Regeln zur Überprüfung des Behandlungserfolgs wie bei den Arzneimitteln gibt es für sie nicht.

Zahlt die Krankenkasse Abnehmtabletten?

Nein, nicht die gesetzliche Krankenversicherung. Arzneimittel, die überwiegend zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits oder zur Regulierung des Körpergewichts dienen, sind nach § 34 Abs. 1 SGB V von der Versorgung ausgeschlossen; rezeptfreie Arzneimittel sind für Erwachsene ohnehin grundsätzlich ausgeschlossen. Was ein privater Versicherungsvertrag abdeckt, klären Sie mit Ihrer Versicherung.